Der Shagya-Araber

Kulturpferderasse

 

Größe, Rahmen, Knochenstärke und gute Reiteigenschaften in Kombination mit Adel und Härte des arabischen Pferdes. Mit diesem Ziel wird der ursprünglich als “Araberrasse” bekannte Shagya-Araber (sprich: schagja-araber) seit 1789 gezüchtet. Somit begleiten diese Pferde, von denen es weltweit leider nur noch ca. 2.000 aktive Zuchttiere gibt, den Menschen schon seit über 200 Jahren.

 

Für die Kavallerie wurden in der k. u. k. Monarchie wendige, ausdauernde und intelligente Pferde gebraucht, die zudem Adel und Schönheit für die Repräsentation bei Hofe mitbringen sollten. Außerdem sollten sie als Reit- und Fahrpferde geeignet sein.

 

1789 gründete Joseph II das Staatsgestüt Bábolna in Ungarn und legte damit den Grundstein für die Zucht dieser Pferde, die später auch bei der Entstehung des modernen Sportpferdes eine wichtige Rolle spielen sollten. 

 

Auch wenn in Bábolna und dem Hauptgestüt Mezöhegyes die Pferde von Anfang an einen orientalischen Einschlag hatten, wurden zu Beginn der Zucht neben arabischen Stuten und Lipizzanern noch Andalusier, Siebenbürger und Stuten anderer heimischer Landpferderassen eingesetzt. 

 

Nachdem Bábolna zunächst hauptsächlich als Quarantäne- und Durchgangsstation für Mezhöegyes gedient hatte, begann ab 1806 eine regelmäßigere Zuchttätigkeit, die 1816 ihren entscheidenden Wendepunkt erlebte, denn die Wiener General-Remontierungs-Inspektion legte fest, daß in Zukunft ausschließlich orientalische Hengste in Bábolna zum Deckeinsatz kommen sollten. In mehreren Ankaufsexpeditionen wurden ab 1835 orientalische Deckhengste und Zuchtstuten im Orient erworben und nach Bábolna gebracht. Gleich bei der ersten Ankaufsexpedition von Baron von Herbert gelangte auf diesem Weg der Hengst nach Bábolna, der dieser Rasse über 100 Jahre später ihren heutigen Namen geben sollte, der "geapfelte Honigschimmel" Shagya.

(Dieser Text basiert insbesondere auf Informationen aus dem Buch "Bábolna und seine Araber" von Dr. Walter Hecker; 2014 IAT Verlag)

 

 

 

Sportpferd

 

Ehemals ein hoch begehrtes Offizierspferd der k. u. k. Monarchie, führen heute viele Shagya-Araber als zuverlässiger und menschenbezogener Freizeitpartner ein eher ruhiges Leben. Aber diese vielseitigen und intelligenten Pferde sind mit ihrer hohen Leistungsbereitschaft auch ein idealer Partner für Amateurreiter u. -fahrer im klassischen Turniersport. Da die Rasse leider bei vielen Reiter*innen in Vergessenheit geraten ist, sieht man sie allerdings nur noch selten auf den Turnierplätzen.

 

Zu Unrecht, wie sie beweisen, sobald sie an einen Menschen geraten, der seine Turnierambitionen gemeinsam mit ihnen in die Tat umsetzen will. Denn diese Pferde lieben die Abwechselung und die Herausforderung und sie blühen im Wettbewerb mit anderen geradezu auf. 

 

Die Vielseitigkeit dieser Rasse stellte unter anderem der 1993 geborene Hengst Naprall unter Beweis, der am Ende seiner Turnier-Laufbahn als Jagdpferd bis Klasse A, in der Dressur bis Klasse L*, im Springen bis Klasse L und in der Vielseitigkeit bis M** platziert war.

 

Shagya-Araber sind aktuell vor allem im Springen erfolgreich und setzen sich dabei bis Klasse L und zum Teil auch darüber hinaus auch gegen die Warmblutkonkurrenz durch.

 

Als Beispiele seien hier die 1987 geborene Stute Esdrillja genannt, die in 8 Turnierjahren 130 Mal platziert war und sich dabei in 30 Springen der Klasse L gegen die gesamte Konkurrenz durchsetzen konnte. Oder in jüngerer Zeit der bis M** erfolgreiche Hengst Galan aus der Zucht von Hugo Nagel, der Wallach Jeremy O'Bajan mit über 60 Platzierungen in Springen der Klasse M* und die Stute Roxana, die mit ihren 15 Jahren trotz 2-facher Fohlenpause auf über 70 Platzierungen bei LPO Turnieren kommt. 

 

Aber auch in der Dressur stellen sich einige Reiter*innen heute wieder erfolgreich der Konkurrenz. So konnte sich die Stute Saga in ihrer ersten Turnier-Saison 2019 gleich mehrfach in der A-Dressur platzieren.

 

Als Verein möchten wir gerade diese Nachwuchsreiter*innen unterstützen und ihnen ein Netzwerk bieten, in dem sie sich austauschen können und auf die Erfahrungen von Reiter*innen und Ausbilder*innen zurück greifen können, die diese Pferde schon seit Jahren unter dem Sattel haben.

 

 

 

 

Veredler 

 

Shagya-Araber haben das moderne Sportpferd mit geprägt und dabei ihre hohe Leistungsbereitschaft und Ausdauer weitergegeben. Egal ob der Anglo-Araber Ramzes AA (Mutter Jordi (ShA)), der im Holsteiner Verband aktive Bachus 40 (Vater Bajar (ShA)), der Trakehner Herakles TSF (Vater Ghazzir (Sha), ein Bajar Sohn), der in der Dressur bis Klasse S erfolgreiche Hannoveraner Chiemsee (Vater Czardas (ShA)) oder die Trakehner Stute White Girl (Vater Bajar (ShA)), sie alle gehen direkt auf einen Shagya-Araber zurück. Dabei ist der Hengst Bajar, dessen Nachkommen auf eine gemeinsame LGS von 228.479 € kommen, auch über seine Shagya-Araber Söhne Bazar und Brokat, wohl der einflussreichste Shagya-Araber Hengst in der Warmblutzucht.